Der Blog ist tot

In unserem neuen Format „Medienrauschen. Die Kolumne“ gibt die mosaik-Redaktion Denkanstöße zu medialen Diskursen und Entwicklungen. Zur Eröffnung der Kolumne kehrt Hannes Grohs erstmal vor der eigenen Haustür.

Tatsächlich bekomme ich nicht selten das Wort „Boomer“ zu hören. Beispielsweise wenn ich versuche, möglichst schnell mit meinem Smartphone ein Foto zu machen und daran scheitere. Oder wenn ich Wörter wie „Smartphone“ benutze.

Teil eines Blogs zu sein, ist nicht gerade dienlich, meinem Boomer-Image entgegenzuwirken. Denn seien wir ehrlich: Blogs sind so gar nicht 2025. Man könnte auch sagen, sie sind tot. Das ist eine Erkenntnis, die schon lange in der mosaik-Redaktion um sich greift. Sichtbare Konsequenzen hatte sie bislang keine…

Worte zu Taten

…dafür aber hörbare: Wer der mosaik-Redaktion bei den letzten Gelegenheiten – etwa bei unserer 10- Jahres-Feier im Jänner am Badeschiff – aufmerksam zugehört hat, dem könnte etwas aufgefallen sein. Sehr bemüht sprachen wir von mosaik als „Online-Medium“. Kein Wort mehr von Blog. Den hatten wir aus unserem Wortschatz gestrichen. Sprache schafft Bewusstsein! Allerdings reicht Sprache alleine nicht aus. So gut hatten wir im Grundkurs Materialismus dann doch aufgepasst: Es mussten Taten folgen – und zwar endlich!

Stotternder Motor

Denn an den richtigen Worten oder guten Ideen hat es mosaik noch nie gemangelt. Seit 2021 bin ich Teil des Projekts. In dieser Zeit durfte ich politisch und journalistisch viel lernen. Zusammenarbeit und Diskussionskultur waren von Solidarität und produktiver Kontroverse geprägt. Ohne Pause wurden inhaltlich relevante Artikel veröffentlicht. Und doch war der Motor irgendwie ständig am Stottern. Themenreihen? Formate? Rubriken? Einige Sachen haben wir einfach nicht zum Laufen gebracht.

Sinnbildlich dafür stand unsere Website. Zu mosaik-Anfängen im DIY-Style zusammengebaut, stellte sie uns immer wieder vor Schwierigkeiten und crashte nach einem Hacker-Angriff irgendwann endgültig. Durch die Hilfe verschiedener Menschen konnten wir sie Schritt für Schritt wieder auf einen herzeigbaren Stand bringen – diese Schritte fühlten sich für einen Blog (!) aber teils unerträglich langsam an.

Kurz vor dem Kammerflimmern

Und so stand mosaik Anfang 2024 kurz vor dem Kammerflimmern. Am rosa-orange-grünen Krankenbett – seines Zeichens ein ungewöhnlich geräumiges Wohnzimmer in Wien-Josefstadt – haben wir uns damals geschworen: Entweder wir bekommen es jetzt hin, mosaik im Heute ankommen zu lassen, oder wir hauen bei aller Zuneigung zum Projekt den Hut drauf. Was das Heute verlangt: Dem Blog einen Todesstoß zu versetzen und sich zu einem Online-Medium weiterzuentwickeln – mit funktionierender Website.

Der Rest ist seit dem heutigen Tag Geschichte. mosaik hat eine neue Website. Und nicht nur das: Wir arbeiten zukünftig in verschiedenen Formaten, unter unterschiedlichen inhaltlichen Rubriken und haben eine zweiwöchentliche Kolumne aus der Redaktion. Wir haben mosaik nicht einfach den Defibrillator angesetzt. Wir haben mosaik langsam wach gerüttelt, gefragt, was es braucht, und mit viel Freude, Ernsthaftigkeit und Engagement etwas aufgebaut, das keine Reanimationsmaßnahmen mehr braucht.

Der Blog ist tot, lang lebe mosaik

Der mosaik-Blog ist tot. Das ist gut so. Was dabei nicht verloren geht, ist die viele Arbeit, Zeit und Unterstützung, die Menschen vor uns ins Projekt gesteckt haben. Auf ihren Schultern stehen wir und lassen mosaik lang leben.

Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Deswegen wollen wir in Zukunft an dieser Stelle anderen Redaktionen auf die Finger schauen und mediale Diskurse und Entwicklungen in Österreich kritisch begleiten. Das tun wir weiterhin vorwiegend in Text auf einer Website – und nicht tanzend auf Social Media-Plattformen. Das mag etwas Boomer sein. Aber wir stehen dazu. Und wer weiß. Wenn der Motor mal läuft, gehen sich manche Dinge vielleicht sogar gemeinsam aus. #hashtag

Illustration: Hannah Krause

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