Gemeinsam mit dem österreichischen Bundesheer und führenden Vertreter*innen der Rüstungsindustrie veranstaltet die Zeitschrift „Militär Aktuell“ in Wien im Mai erneut ein Drohnensymposium. Ziel der Veranstaltung ist die Stärkung und Vernetzung der europäischen Kampfdrohnenentwicklung, die gegenwärtig neue Dimensionen annimmt.
Die aktuelle Aufrüstungsspirale im Zeichen der sogenannten „Zeitenwende“ hat längst auch die rasant voranschreitende Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) erfasst. Autonome KI-Systeme werden zunehmend für militärische Zwecke eingesetzt. Voll automatisierte Drohnen und Zielerfassungssysteme können heute ohne menschliche Einwirkung über Leben und Tod entscheiden.
Vor diesem Hintergrund findet im Mai 2026 bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres die „DroneVation & Defence“ statt. Unterstützt wird das Drohnensymposium der Zeitschrift „Militär Aktuell“ vom Bundesheer und Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall. Neben österreichischen Generälen, NATO-Vertretern und Professor*innen deutscher Bundeswehr-Hochschulen ist auch die Fachhochschule Wiener Neustadt vertreten. Neben Regierungsvertreter*innen wie Ministerin Klaudia Tanner haben auch sie keine Bedenken, sich gemeinsam mit Firmen wie Elbit Systems zum Aushängeschild des Symposiums zu machen.
Fragwürdige Gäste
Elbit, nachdem der IGH bereits 2014 feststellte, dass das Unternehmen im besonderen Maße an Menschenrechtsverletzungen beteiligt ist.
Darüber hinaus ist Elbit Systems von der NATO zuletzt von Vergabeverfahren für Rüstungsaufträge ausgeschlossen worden. Der Grund dafür liegt in laufenden Ermittlungen wegen des Verdachts auf Korruption, politischer Einflussnahme und Geldwäsche. Über seine österreichische Tochtergesellschaft ESLAIT GmbH beliefert das Unternehmen auch das Bundesheer. Auf EU-Ebene erhält der israelische Hersteller ebenfalls umfangreiche Aufträge. So nutzt beispielsweise die Agentur Frontex Drohnenmodelle des Rüstungskonzerns an den EU-Außengrenzen.
Ähnliches gilt für weitere Akteure auf dem Symposium. Der US-Rüstungsgigant Lockheed Martin liefert Kampfjets und schweres Kriegsgerät an das israelische Militär. Und das auch nachdem bekannt wurde, dass dieses gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt wird. Ein UN-Bericht von 2025 listet das Unternehmen deshalb als Profiteur und Unterstützer des Genozids in Gaza.
Profite mit dem Krieg
Während Kriege wie in der Ukraine und dem Iran die Preise für unsere Lebenshaltungskosten explodieren lassen und der Staat die soziale Absicherung zugunsten der Aufrüstung weg kürzt, verschränken sich zivile und militärische Wirtschaft immer stärker. Österreich plant im neuen Haushalt Militärausgaben auf einem neuen Allzeithoch, um die Aufrüstung des Landes unter dem Label „Aufbauplan 2032+“ zu beschleunigen.
Durch diese staatliche Umverteilung von Mitteln fahren Rüstungskonzerne Rekordgewinne ein: Rheinmetall – Sponsor des Drohnensymposiums – will mehrere Werke, die bisher Autoteile und andere zivile Komponenten herstellen, auf Munitionsproduktion umrüsten. Auch in Österreich.
Der Rüstungsboom ist dabei eng mit der KI-Entwicklung verknüpft. Unternehmen wie ChatGPT nutzen ihre KI-Systeme, die durch frei verfügbare Daten und Nutzungsverhalten trainiert wurden, zunehmend für militärische Zwecke. In der Entwicklung von Kampfdrohnen kommen sie vor allem bei der automatisierten Zielerfassung zum Einsatz.
Trainiert werden diese Systeme durch zivile Nutzerdaten. Berichten zufolge verkaufte die Firma Match Group, welcher Datingportale wie Tinder und OkCupid gehören, Millionen von Nutzerprofilen, um Bilderkennungssoftware zu trainieren. Und auch wer schon mal ein Captcha mit der Aufforderung „Wähle alle Felder aus, auf denen ein Fahrrad zu sehen ist“ ausgefüllt hat, hat dadurch bereits KI-Trainingsdaten erstellt. Diese stellt Google zur Entwicklung von automatisierten Zielerfassungssystemen für Drohnen des US-Militärs bereit.
Wie weit die Grenzen zwischen ziviler und militärischer Wirtschaft bereits verschwimmen, zeigt auch das Beispiel Spotify. Der CEO des Musikstreaming-Diensts investierte in den letzten Jahren knapp eine halbe Milliarde US-Dollar aus den Unternehmens-Gewinnen in die Firma Helsing. Sie entwickelt vollautomatische Kamikazedrohnen.
Automatisch Töten für die Sicherheit
KI erfasst autonom Ziele. Die Auswahlkriterien werden von Unternehmen wie Stark Defence – ebenfalls zu Gast auf dem Wiener Symposium – festgelegt, an denen der ultrarechte Trump-Unterstützer Peter Thiel beteiligt ist. Die Konsequenz: Alle Menschen können ins Fadenkreuz der automatisierten Waffen gelangen. Zuletzt zeigte sich das im Fall des US-israelischen Angriffs auf den Iran. Dort wählte Software des IT-Anbieters Palantir eine Mädchenschule aufgrund veralteter Daten als Ziel aus, woraufhin 168 Menschen – vorrangig Schülerinnen – getötet wurden. Das US-Unternehmen wurde ebenfalls von Peter Thiel mitgegründet.
Die Automatisierung von Tötungsprozessen wird aber nicht nur aufgrund veralteter Daten zur allgemeinen Bedrohung. Sie ist Teil eines autoritären politischen Programms. Das zeigt sich an den jüngsten Veröffentlichungen von Palantir-CEO Alex Karp. Dessen als „Palantir-Manifest“ viral gegangener Tweet beinhaltet 22 krude Thesen, die tief in das Weltbild und die Allmachtsfantasien des Konzerns blicken lassen. Karp fordert darin eine umfassende Militarisierung, Deregulierung militärischer Forschung und die Entwicklung einer KI-„Superwaffe“. Diese solle zum Schutz gegen alles „kulturell unterlegene“ oder „woke“ dienen. „Woke“ sind dabei schon Friedensverhandlungen. Die „Sicherheit“ demokratischer Staaten erfordere demnach die zwangsweise Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht.
From the front to the home front
Dass er damit vor allem die MAGA-Bewegung ansprechen will, zeigt sich auch darin, dass Palantirs CEOs in der Vergangenheit schon damit kokettierten, deren Software sei entwickelt worden, um Linke zu töten. Derweil hält Palantir bereits Einzug in zentrale Schaltstellen staatlicher Macht: Das Unternehmen beliefert das US-Militär sowie mehrere deutsche Polizeibehörden – und kam auch im österreichischen Bundesheer bereits monatelang testweise zum Einsatz.
Vor diesem Hintergrund könnte sich der Palantir-CEO ebenso gut auf einen ausgeschriebenen Rednerplatz auf dem Wiener Drohnensymposium bewerben. Die Themenvorgabe lautet: „Drone defense from the front to the home front“. Diese Formulierung macht deutlich, was sonst im PR-Jargon rund um das Symposium zu verschleiern versucht wird. Wenn von „operationaler Expertise“ bei der Entwicklung neuer Systeme gesprochen wird, dann heißt das, dass sie in Kriegsgebieten erprobt wurden. Wenn von „chancenreicher Marktentwicklung“ die Rede ist, dann ist die rasante Aufrüstung und Kriegsvorbereitung gemeint. Und wenn Kampfdrohnen als „KI-basierte Sicherheitslösungen“ verkauft werden, dann geht es darum, Maschinen zu ermächtigen, vollautomatisch Menschen zu töten, die vorher zum „Sicherheitsrisiko“ erklärt wurden. An der „Front“ wie an der „Home-Front“.
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Deshalb stellt sich Attac Österreich mit der Kampagne Wettrüsten Stoppen! der Aufrüstungsspirale entgegen – für soziale Sicherheit, globale Gerechtigkeit und nachhaltige Friedenspolitik. Gegen autoritäre Strukturen, sozialen Kahlschlag und automatisierte Tötungsmaschinen.
Titelbild: Attac Österreich